Hier rauchen die Köpfe, die Tasten, die Leitungen, einfach alles. Dauernd neue Mails. Lese ich fast alle nicht. Immer mehr neue Features. Schaffen wir nicht. Gerade arbeiten wir noch an der Klassifikation der Postings, was ohne echtes Trainingsmaterial echt schwer ist. Wie trainiert man einen Classifier ohne Trainingsdaten!? Generell, wie testet man die Performance eines Systems, ohne die Daten, die es zur Verfügung stellen soll?
Aber das ist ja noch das geringste Problem. Hauptsächlich geht das ganze tierisch an die Nerven. Ich muß mich echt zwingen nicht dauernd meine Mails abzurufen, es könnte ein potentieller Abendkiller sein. Und die Überstunden steigen.
So wirr wie dieser Eintrag sieht es auch gerade in meinem Hirn aus. Man hat eine ganze Datenbank und den Source-Code für 100 andere Sachen gleichzeitig im Kopf und man ist bemüht, die Änderungen irgendwo noch unterzukriegen, wo sie halbwegs effizient sind. Und über sauberen Code reden wir schon lange nicht mehr.
Doch dann sind da noch die ganzen unnötigen Sachen, die tierisch Zeit kosten und einfach nerven. Man muß für Leute pressefähiges Material suchen, das Thema darf aber nicht zu provokant sein. Komisch, das ganze Projekt soll doch provozieren, oder nicht? Ja schon, aber ... Der Server kann die Daten in diesem Format nicht lesen, konvertier sie doch mal eben. Wer macht noch Feature X, wo Feature Y doch noch gar fertig ist??
3 days until ...
Von Nils bekam ich netterweise den Hinweis, daß die taz heute einen Artikel über Dropping Knowledge in ihrem "taz zwei"-Teil hat. Daraufhin habe ich mir, fürs Archiv, die heutige Ausgabe mal gekauft. Muß ehrlich sagen, es wird auch langsam mal Zeit, daß da ein wenig die Werbetrommel gerührt wird. So kriegt man irgendwie herzlich wenig davon mit. Und es sind ja auch nur noch 17 Tage (dank des schicken Countdowns auf der Homepage weiß ich das auch).
Das bedeutet aber für uns hier am DFKI, daß der Adrenalinspiegel deutlich steigt, noch all die versprochenen Features einzubauen. Das ganze wird umso schwieriger, da man ja keine wirklichen Testdaten hat, nur so Pseudo-Daten. Aber es wird schon werden. Es muß ...
Heute mußte ich lernen, daß es auch für Programmierer eine Art Berufsrisiko gibt. Nämlich wenn man jahrelang an einer Applikation gearbeitet hat und man dann erfahren muß, daß diese nicht mehr gebraucht und erst recht nicht veröffentlicht wird. Von November 2004 bis April 2006 habe ich am sogenannten Archiv für "dropping knowledge" gearbeitet und einen Prototypen entwickelt. Für diverse Präsentationen dieses Prototypen habe ich mir immer wieder mal Nächte und ganze Wochenenden um die Ohren geschlagen, damit neue Features in letzter Minute eingebaut waren.
Doch dieses Archiv wird nicht mehr gebraucht, man nutzt die Funktionalität der Living Library, um es zu emulieren. Und irgendwie stimmt mich das doch ein wenig mulmig. Nicht nur wegen der ganzen Arbeit, die praktisch umsonst war. Man hat ja auch einiges an Überlegung darein gesteckt, wie man die ganzen Features möglichst elegant einbaut, welche Packages noch einen Tick mehr Performance bringen, etc. Naja, jetzt werde ich morgen mal die Software vom Server nehmen und dann wandert das Archiv ins Archiv.
Langsam rückt der Termin für Dropping Knowledge näher und die Arbeit wird immer mehr, anstatt abzunehmen. Das bedeutet für mich, daß ich auch länger arbeiten werde, was natürlich mein Studium und nicht zuletzt mein Privatleben noch weiter einschränken wird, wenn ich dann noch mehr Stunden pro Woche am DFKI verbrate. Allerdings krieg ich das auch bezahlt, von daher ist das ein kleiner Trost.
Natürlich muß ich tierisch aufpassen, jetzt mehr denn je, daß ich wirklich nicht mehr mache, als die Stunden, die im Vertrag stehen. Daher ein Aufruf an alle: Wer mich beim Überstunden-machen erwischt ist hiermit authorisiert mir einen zünftigen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen. Auch wenn ich vielleicht in dem Moment nicht sonderlich glücklich sein werde, bin euch schon jetzt sehr dankbar dafür.
Hoffentlich wird es aber erst gar nicht dazu kommen. Ich muß das halt irgendwie gereiht bekommen, neben dem DFKI auch noch meine Übungsblätter zu machen und Zeit für all die anderen Dinge im Leben zu haben. Wird schon schief gehen.